Risiken

Was ist das COSO-Modell? So steuern Sie Risiken

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Was ist das COSO-Modell?

COSO (Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission) ist eine Organisation privater Verbände mit Sitz in den USA. Sie stellt Organisationen ein gemeinsames Orientierungsmodell zu grundlegenden Themen bereit:

  • Unternehmensführung und Governance,
  • Unternehmensethik,
  • interne Kontrolle,
  • Enterprise Risk Management,
  • Betrugsbekämpfung und
  • Finanzberichterstattung.

Entwicklung des COSO-Modells

1992: Veröffentlichung von Internal Control – Integrated Framework (COSO-Bericht oder COSO I), einem integrierten Rahmenwerk, mit dem Unternehmen ihre internen Kontrollsysteme bewerten und verbessern können.

2004: Veröffentlichung des Modells COSO ERM (Enterprise Risk Management – Integrated Framework) oder COSO II, mit dem Unternehmen ihre interne Kontrolle durch einen umfassenderen Risikomanagementprozess verbessern können.

2013: Veröffentlichung von COSO III, einer Aktualisierung des Rahmenwerks für interne Kontrolle von 1992.

2017: Veröffentlichung von COSO ERM 2017 (Enterprise Risk Management – Integrating with Strategy and Performance). Es erweitert das Risikomanagement-Rahmenwerk, damit es die Risiken von Organisationen umfassender abdeckt, und verbindet es direkt mit Strategie und Leistung.

Komponenten und Grundsätze der internen Kontrolle (COSO 2013)

Das Rahmenwerk für interne Kontrolle von 2013 (Internal Control – Integrated Framework) ist die Referenz für die interne Kontrolle über die Finanz­berichterstattung, zum Beispiel beim SOX-Gesetz. Es gliedert die interne Kontrolle in fünf Komponenten und siebzehn Grundsätze. Damit das System als wirksam gilt, müssen alle fünf Komponenten vorhanden sein, funktionieren und zusammenwirken. Die Grundsätze erklären, was jede Komponente in der Praxis bedeutet.

Kontrollumfeld5 Grundsätze
  1. 1Integrität und ethische Werte
  2. 2Unabhängige Aufsicht durch das Aufsichts­gremium
  3. 3Struktur, Befugnisse und Verantwor­tung
  4. 4Fachliche Kompetenz
  5. 5Rechenschafts­pflicht
Risiko­beurteilung4 Grundsätze
  1. 6Klare und konkrete Ziele
  2. 7Identifikation und Analyse von Risiken
  3. 8Betrugsrisiko
  4. 9Wesentliche Verände­rungen
Kontroll­aktivitäten3 Grundsätze
  1. 10Kontroll­aktivitäten, die Risiken senken
  2. 11Allgemeine IT-Kontrollen
  3. 12Richtlinien und Verfahren
Information und Kommuni­kation3 Grundsätze
  1. 13Relevante, hochwertige Informa­tionen
  2. 14Interne Kommuni­kation
  3. 15Externe Kommuni­kation
Überwachungs­aktivitäten2 Grundsätze
  1. 16Laufende oder unabhängige Beurtei­lungen
  2. 17Beurteilung und Meldung von Mängeln
Quelle: COSO, Internal Control – Integrated Framework (2013). Bezeichnungen der Grundsätze verkürzt.

Wenn Sie ein Rahmenwerk für das Risikomanagement der gesamten Organisation suchen, das über die interne Kontrolle hinausgeht, ist COSO ERM 2017 die Referenz. Darum geht es im nächsten Abschnitt.

Die fünf Komponenten und zwanzig Grundsätze von COSO ERM 2017

COSO ERM 2017 fasst seine zwanzig Grundsätze in fünf Komponenten zusammen. Die Grundsätze sind die praktische Checkliste, um zu prüfen, was die Organisation bereits hat und was ihr fehlt.

Governance und Kultur5 Grundsätze
  1. 1Risikoaufsicht durch das Aufsichts­gremium
  2. 2Betriebs­strukturen
  3. 3Gewünschte Kultur
  4. 4Bekenntnis zu den Grundwerten
  5. 5Talente gewinnen, entwickeln und halten
Strategie und Ziele4 Grundsätze
  1. 6Analyse des Geschäfts­kontexts
  2. 7Festlegung des Risiko­appetits
  3. 8Bewertung alternativer Strategien
  4. 9Formulierung von Geschäfts­zielen
Leistung5 Grundsätze
  1. 10Risiko­identifikation
  2. 11Bewertung der Schwere
  3. 12Priorisie­rung von Risiken
  4. 13Risiko­reaktionen
  5. 14Portfoliosicht auf Risiken
Überprüfung und Überwachung3 Grundsätze
  1. 15Bewertung wesentlicher Verände­rungen
  2. 16Überprüfung von Risiko und Leistung
  3. 17Verbesserung des Risiko­managements
Information, Kommuni­kation und Bericht­erstattung3 Grundsätze
  1. 18Nutzung von Information und Technologie
  2. 19Kommuni­kation von Risiko­informationen
  3. 20Berichte zu Risiko, Kultur und Leistung
Quelle: COSO, Enterprise Risk Management: Integrating with Strategy and Performance (2017). Bezeichnungen der Grundsätze verkürzt.

Komponenten des COSO-ERM-Modells

Die fünf Komponenten von COSO ERM 2017 greifen ineinander, um das Risikomanagement mit Strategie und Leistung zu verbinden:

01 Governance und Kultur Aufsicht, ethische Werte und Betriebsstruktur.
02 Strategie und Ziele Auf die Strategie abgestimmter Risikoappetit.
03 Leistung Risiken identifizieren, bewerten und darauf reagieren.
04 Überprüfung und Überwachung Laufende Verfolgung und Verbesserung über die Zeit.
05 Information und Kommunikation Informationsfluss in der gesamten Organisation.
Governance und Kultur sowie Information und Kommunikation bilden die übergreifende Basis, die die drei zentralen Komponenten im gesamten Prozess trägt.

Governance und Kultur

Die Organisation muss die Bedeutung und das Verständnis ihres Risikomanagements stärken, die nötigen Aufsichtsverantwortlichkeiten festlegen und die ethischen Werte definieren, an denen sie sich orientiert.

Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • Eine Richtlinie verabschieden, nach der das Aufsichtsgremium das Risiko der Organisation überwacht.
  • Die Betriebsstruktur festlegen.
  • Die gewünschte Kultur und die Werte definieren.
  • Die Geschäftsleitung zeigt ihr Bekenntnis zu den Grundwerten, zum Beispiel durch Ausschüsse und Gremien, die deren Einhaltung kontrollieren.
  • Qualifiziertes Personal gewinnen, entwickeln und halten.

Strategie und Zielsetzung

Strategischer Planungsprozess, in dem das Enterprise Risk Management, die Strategien und die Arbeitsziele definiert werden und ein darauf abgestimmter Risikoappetit festgelegt wird.

Dafür muss die Organisation:

  • den Geschäftskontext analysieren,
  • den Risikoappetit festlegen,
  • die möglichen Strategien bewerten,
  • die Geschäftsziele formulieren.

Leistung

Hier werden die Risiken identifiziert und bewertet, die das Erreichen der Unternehmensziele beeinträchtigen können. Die Risiken werden nach Schwere und gemäß dem festgelegten Risikoappetit priorisiert. Anschließend wählt die Organisation die Risikoreaktionen aus und prüft, wie viel Risiko sie eingegangen ist.

Dazu gehört:

  • Risiken identifizieren.
  • Die Schwere jedes identifizierten Risikos bewerten.
  • Risikoreaktionen identifizieren, auswählen und umsetzen.

Überprüfung und Überwachung

Bei der Überprüfung der Leistung kontrolliert die Organisation, wie das Enterprise Risk Management im Zeitverlauf funktioniert, und entscheidet angesichts wesentlicher Veränderungen, welche Überprüfungen oder Anpassungen nötig sind.

Die Überprüfung umfasst:

  • Wesentliche Veränderungen bewerten.
  • Risiken und Leistung während des Risikomanagements überprüfen.
  • Das Risikomanagement verbessern.

Information, Kommunikation und Berichterstattung

Enterprise Risk Management erfordert einen fortlaufenden Prozess, in dem die nötigen Informationen aus internen und externen Quellen beschafft und geteilt werden. Die Kommunikation muss in der gesamten Organisation nach oben und nach unten fließen.

Dieser Bereich verlangt:

  • Das Risikomanagement mit Systemen und Technologie unterstützen.
  • Geeignete Kommunikationskanäle nutzen.
  • Allen interessierten Parteien über Risiken, Kultur und Leistung berichten.

Was ist die ERM-Methodik für Unternehmensrisiken?

Enterprise Risk Management (ERM, unternehmensweites Risikomanagement) ist ein planbasierter Ansatz der Unternehmensführung, der darauf zielt, alle Risiken oder Ereignisse zu identifizieren, zu bewerten und sich auf sie vorzubereiten, die die Abläufe und Ziele einer Organisation positiv oder negativ beeinflussen können.

Ziel von ERM ist es, die für das Unternehmen relevanten Risiken (finanzielle, strategische und operative) zu bewerten, zu priorisieren und fundiert zu entscheiden, wie mit ihnen umzugehen ist. Die daraus entstehenden Risikomanagementpläne schätzen die Auswirkung verschiedener Bedrohungen ab und beschreiben mögliche Reaktionen, falls eine davon eintritt.

Ein wirksamer ERM-Prozess sollte ein wichtiges strategisches Werkzeug für die Unternehmensführung sein. Die Erkenntnisse über Risiken, die aus dem ERM-Prozess hervorgehen, sollten maßgeblich in den Strategieplan der Organisation einfließen.

Da Risiken ständig entstehen und sich verändern, ist ERM ein Prozess, der aktiv gehalten und laufend aktualisiert und verbessert werden muss.

Die Struktur des Rahmenwerks gilt unabhängig von der Größe der Organisation und davon, wie sie ihre Risiken einteilt. Sie soll Geschäftsleitung und Aufsichtsgremien helfen, vor allem folgende Aspekte angemessen zu steuern:

  • Identifikation aller Risiken, die Strategie und Geschäftsbetrieb betreffen können, und ihrer Wechselwirkungen.
  • Tragbares Risikoniveau.
  • Wie Risiken gesteuert werden (Kultur, Governance und Richtlinien).
  • Wie die Informationen beschafft werden, die nötig sind, um Risiken zu steuern.
  • Wie Risiken kontrolliert werden.
  • Wie die verschiedenen Risiken gemessen und bewertet werden.
  • Welche Reaktion auf Risiken erfolgt.
  • Welche Tests für Reaktionen auf ungünstige Szenarien am besten geeignet sind.

Eines der wichtigsten Modelle für ein wirksames Enterprise Risk Management ist heute das COSO-ERM-Modell 2017.

Vorteile für Organisationen

– Es hilft zu verstehen, wie Risikomanagement funktioniert und welche Rolle es bei der Umsetzung der besten Strategien spielt.

– Es ermöglicht Ziele, die Leistung und ganzheitliches Risikomanagement verbinden, um den Unternehmenserfolg zu steigern.

– Es gibt allgemeingültige Leitlinien für Governance und Unternehmensaufsicht.

– Es hilft, den neuen Kontext der globalisierten Wirtschaft zu erkennen und sich an Veränderungen und die Komplexität der Geschäftswelt anzupassen.

– Es ist eine Grundlage, um das Wissen über Risikomanagement zu vertiefen und die Erwartungen von Geschäftsführung und anderen interessierten Parteien zu erfüllen.

– Es ist mit der Entwicklung und Nutzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und deren Einsatz in Datenverarbeitung und Entscheidungsfindung vereinbar.

COSO ERM im Jahr 2026: hin zu einem strategischeren ERM

Das Referenzrahmenwerk bleibt COSO ERM 2017, aber COSO hat weitere ergänzende Leitfäden veröffentlicht, die zeigen, in welche Richtung sich die Praxis des Risikomanagements entwickelt:

  • Vom Leitfaden zur Umsetzung (2026): Im Mai 2026 veröffentlichte COSO From Guidance to Action: Exploring Practical Enterprise Risk Management, ein Dokument, das die strategische Relevanz und die tatsächliche Wirkung von ERM-Programmen stärken soll. Ein aufschlussreiches Ergebnis der globalen Umfrage: Obwohl 98 % der Fachleute meinen, ERM sollte eine strategischere Rolle spielen, geben nur 7 % an, es vollständig in ihre Strategieentscheidungen integriert zu haben. Die Herausforderung ist also nicht mehr, was ERM ist, sondern wie es im Alltag funktioniert.
  • Alternative Daten (2024): Der Leitfaden Alternative Data: The COSO Perspective behandelt, wie nicht traditionelle Datenquellen (Social-Media-Analysen, IoT-Sensoren, Web Scraping oder ESG-Indikatoren) in das ERM einbezogen werden können, ohne untragbare Risiken für Datenqualität, Datenschutz oder Verzerrungen zu schaffen.
  • KI-Governance: Künstliche Intelligenz ist die neue Risikokategorie, die das ERM aufnehmen muss (Modellrisiko, Data Governance, Verzerrungen und Shadow AI). Der grundsatzbasierte Ansatz von COSO passt zu ergänzenden Rahmenwerken wie dem NIST AI RMF.

Die Botschaft für Organisationen ist klar: Der Wert von COSO ERM liegt nicht darin, es zu dokumentieren, sondern darin, es als Entscheidungswerkzeug zu nutzen, das Risiko, Strategie und Leistung verbindet.

Wie GlobalSuite Solutions Sie unterstützt

GlobalSuite Solutions bietet die vollständig von unserem Team entwickelte Software GlobalSuite®, mit der Sie ein Risikomanagementsystem auf Basis der festgelegten Ziele einführen, steuern und pflegen. Sie ermöglicht außerdem die Bewertung und Verfolgung der festgelegten Risikobehandlung und hilft Ihnen, COSO ERM vom theoretischen Rahmen in den Arbeitsalltag zu bringen.

Möchten Sie sehen, wie das in Ihrer Organisation funktionieren würde? Fordern Sie eine Demo an, und wir zeigen es Ihnen.

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