Was ist eine Prozesslandkarte?
Jede Organisation besteht aus zahlreichen Tätigkeiten, die den reibungslosen Betrieb des Unternehmens nach innen und außen sichern. Üblicherweise werden diese Tätigkeiten nach dem Ziel gruppiert, das mit ihnen erreicht werden soll. In Unternehmen gibt es also eine Reihe von Tätigkeiten, die zusammen einen Prozess bilden, und dieser Prozess greift wiederum mit anderen Prozessen ineinander, um die Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens zu erbringen.
So wie es Beziehungen zwischen den einzelnen Tätigkeiten gibt, gibt es auch Beziehungen zwischen den Prozessen. Die Darstellung dieser Wechselwirkungen ist die Prozesslandkarte der Organisation.
Die Prozesslandkarte stellt die Prozesse und ihre Wechselwirkungen dar. Die Hauptaufgabe besteht darin, die Prozesse des Unternehmens zu identifizieren und sie strukturiert nach ihrer Ausführungsreihenfolge miteinander zu verknüpfen.
Wie wird eine Prozesslandkarte erstellt?
Bevor die Struktur festgelegt wird, müssen die Prozesse eingeordnet werden. Üblich sind drei Kategorien:
- Kernprozesse: Auf sie stützt sich das Unternehmen, um seinen Geschäftszweck zu erfüllen.
- Führungsprozesse: Sie richten das gesamte System auf die kontinuierliche Verbesserung aus.
- Unterstützungsprozesse: Sie tragen die übrigen Prozesse und sorgen für ein stimmiges Ganzes.
Sind die Prozesse eingeordnet, wird die Landkarte nach diesen Kategorien grafisch dargestellt. Die Kernprozesse stehen in der Mitte, die Führungsprozesse darüber und die Unterstützungsprozesse darunter: Die einen geben die Richtung vor, die anderen tragen. Links stehen die Anforderungen und Bedürfnisse der interessierten Parteien, wo alles beginnt, und rechts die Produkte und Dienstleistungen, die sie erhalten.
Außerdem sollten die Kernprozesse von links nach rechts in ihrer Abfolge dargestellt werden, damit sich leicht nachvollziehen lässt, welche Prozesse das Unternehmen durchläuft, um dem Kunden sein Produkt oder seine Dienstleistung zu liefern.
Beispiel einer Prozesslandkarte
Im Folgenden zeigen wir ein Beispiel für eine Prozesslandkarte nach ISO 9001 in einem Unternehmen mit einem Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001:2015.
Führungsprozesse
Kernprozesse
Unterstützungsprozesse
In dieser Prozesslandkarte nach ISO 9001 beginnen die Kernprozesse mit dem Produktmanagement und enden mit dem Produkt im Betrieb und dem Support. Dazwischen liegen die Prozesse, die für die Produktentwicklung nötig sind. Sie ermöglichen es dem Unternehmen, das Produkt oder die Dienstleistung für seine Kunden bereitzustellen.
Parallel dazu laufen die Führungs- und die Unterstützungsprozesse. Als Führungsprozesse sind die strategischen Prozesse der ISO 9001:2015 eingeordnet: Planung, Risikobewertung, Audits, Messung der Kundenzufriedenheit und Ziele. Als Unterstützungsprozesse schließlich stehen die Prozesse, die für alle anderen nötig sind: Personal, Verwaltung, Marketing, IT, Sicherheit und Compliance.
Gibt es eine Norm, die diesen prozessorientierten Ansatz zertifiziert?
Ja, die ISO 9001, die ein prozessorientiertes Qualitätsmanagementsystem beschreibt. Die aktuelle Fassung ist die ISO 9001:2026, veröffentlicht im September 2026. Der prozessorientierte Ansatz war bereits Teil der ISO 9001:2015, aus der das folgende Schema stammt. Die Norm verlangt also nicht nur eine Prozesslandkarte des Unternehmens, sondern auch, dass jeder Prozess einzeln beschrieben wird.
Für jeden Prozess der Landkarte sind seine Eingaben und Ergebnisse festzulegen, zusammen mit allen verfügbaren Informationen (Tätigkeiten, Messung, Ressourcen, Risiken und Chancen usw.), nach folgendem Schema:
Beschreibung eines Prozesses
Eingaben und Ergebnisse eines Prozesses nach dem Ansatz der ISO 9001:2015
Quelle: Schema der ISO 9001:2015
So sieht zum Beispiel der Steckbrief eines typischen Unterstützungsprozesses aus. Die ISO 9001 verlangt, für jeden Prozess Eingaben und Ergebnisse, die Abfolge der Tätigkeiten, Kriterien und Methoden zur Messung, Ressourcen, Verantwortlichkeiten sowie Risiken und Chancen festzulegen. Der Steckbrief ist die bequemste Form, alles an einem Ort zu haben.
- Bedarfsanforderungen der Fachbereiche
- Liste freigegebener Lieferanten (Qualität)
- Bestellung (an den Lieferanten)
- Geprüfte Ware (an den anfordernden Bereich)
- Lieferantenbewertung (an Qualität)
- Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten für kritisches Material
- Lieferung ungeprüft annehmen
Was sich mit der ISO 9001:2026 ändert
ISO hat die ISO 9001:2026 am 16. September 2026 veröffentlicht. Sie ersetzt die ISO 9001:2015 und deren Klimawandel-Änderung von 2024, behält die gemeinsame Struktur der Managementsystemnormen bei und legt mehr Gewicht auf Führung, Qualitätskultur sowie Risiken und Chancen.
Wer bereits mit einer Prozesslandkarte arbeitet, hat es mit einer Aktualisierung zu tun, nicht mit einem neuen Ansatz: Landkarte und Prozesssteckbriefe bleiben die Grundlage des Systems. Es lohnt sich aber, sie vor dem Umstellungsaudit mit dem neuen Normtext abzugleichen.
Die Fristen hat das technische Komitee der ISO (ISO/TC 176) festgelegt: Nach ISO 9001:2015 zertifizierte Organisationen haben bis zum 30. September 2029 Zeit für die Umstellung, und ab dem 31. März 2028 werden akkreditierte Erstzertifizierungen nur noch nach ISO 9001:2026 ausgestellt. Quelle: ISO/TC 176.
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