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IATF 16949: was sie zur ISO 9001 hinzufügt und wie die Zertifizierung abläuft

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Die IATF 16949:2016 ist die Qualitätsmanagementnorm der Automobilindustrie. Sie gilt nicht für sich allein: Sie ergänzt die ISO 9001 um branchenspezifische Anforderungen, und zertifizieren dürfen nur Zertifizierungsstellen, die von der IATF (International Automotive Task Force) anerkannt sind. Automobilhersteller und ihre direkten Lieferanten verlangen sie, wenn Sie für sie Serien- oder Ersatzteile fertigen.

Hinter der Norm stehen die Hersteller selbst. Laut der Website der IATF gehören ihr heute BMW Group, BYD Group, Ford, General Motors, IVECO Group, Jaguar Land Rover, Mercedes-Benz Group, Renault Group, Stellantis, Volkswagen, Volvo Group und Zhejiang Geely an, zusammen mit den Branchenverbänden aus den USA (AIAG), Italien (ANFIA), Frankreich (FIEV), Großbritannien (SMMT) und Deutschland (VDA). Deshalb ist es so schwer, ohne Zertifikat an sie zu liefern.

Für wen sie gilt und für wen nicht

Zertifiziert werden Produktionsstandorte: das Werk, in dem Teile, Baugruppen oder Werkstoffe hergestellt werden, die in einem Fahrzeug landen, Ersatzteile eingeschlossen. Funktionen, die dieses Werk von einem anderen Standort aus unterstützen (Entwicklung, Einkauf, zentrale Logistik), werden im Audit als unterstützende Standorte berücksichtigt, können aber nicht allein zertifiziert werden.

Wer Werkzeuge oder Maschinen baut oder Dienstleistungen für die Branche erbringt, muss in der Regel ISO 9001 nachweisen, nicht IATF 16949. Und wenn Ihr Kunde ein Tier-1-Lieferant und nicht der Hersteller ist, kann er verlangen, dass Sie Teile der Norm erfüllen, ohne zertifiziert zu sein. Abschnitt 8.4.2.3 verpflichtet die zertifizierte Organisation, das Qualitätsmanagementsystem ihrer Lieferanten zu entwickeln, mit der ISO 9001 als Ausgangspunkt und der IATF 16949 als Ziel.

Was sie zur ISO 9001 hinzufügt

Die IATF 16949 folgt der Gliederung der ISO 9001 Abschnitt für Abschnitt und ergänzt sie um zusätzliche Anforderungen. Fast alles Neue dreht sich um drei Gedanken: Fehler verhindern, bevor sie beim Kunden ankommen, den Fertigungsprozess mit Daten lenken und erfüllen, was jeder Hersteller verlangt. Diese Anforderungen verändern den Alltag am stärksten:

AbschnittWas gefordert wird
4.3.2Die kundenspezifischen Anforderungen jedes Kunden bewerten und in das System aufnehmen
4.4.1.2Dokumentierte Prozesse für sicherheitsrelevante Produkte und Fertigungsprozesse
6.1.2.3Notfallpläne, damit die Lieferfähigkeit erhalten bleibt, wenn eine Anlage, ein Lieferant oder ein System ausfällt, und Tests dieser Pläne
7.1.5.1.1Messsystemanalyse (MSA) für die Prüfmittel, die im Produktionslenkungsplan stehen
8.3.2.3Ein Qualitätssicherungsprozess für eingebettete Software
8.5.1.1Produktionslenkungspläne je Teil oder Teilefamilie, für Vorserie und Serie
9.2.2Drei Arten interner Audits: Systemaudit, Prozessaudit und Produktaudit
10.2.3 und 10.2.4Ein dokumentiertes Problemlösungsverfahren und Fehlervermeidung (Poka Yoke)

Dazu kommen die Methoden der Branche, die die Norm voraussetzt und die die Hersteller in ihren Handbüchern konkretisieren: Produktqualitätsvorausplanung (APQP), Produktionsteil-Abnahmeverfahren (PPAP, bei deutschen Kunden oft als Produktionsprozess- und Produktfreigabe nach VDA), FMEA (nach dem harmonisierten AIAG-VDA-Handbuch von 2019), statistische Prozesslenkung (SPC) und MSA. Wer von der ISO 9001 kommt, steckt hier den größten Teil der Arbeit hinein.

Wie die Zertifizierung abläuft

Den Ablauf legen die IATF-Regeln fest, inzwischen in der 6. Ausgabe, gültig seit dem 1. Januar 2025. Vor dem Erstaudit muss das System mit echten Aufzeichnungen laufen, darunter mindestens ein vollständiges internes Audit und eine Managementbewertung. Das Audit findet in zwei Stufen statt, das Zertifikat gilt drei Jahre, dazwischen gibt es Überwachungsaudits.

Zertifizieren dürfen nur Stellen mit einem Vertrag mit der IATF, die Liste steht auf ihrer Website. Jeder Kunde kann anschließend im IATF-Portal prüfen, ob Ihr Zertifikat gültig ist. Ein Zertifikat einer anderen Stelle nützt ihm nichts.

Was kommt: die zweite Ausgabe

Die IATF überarbeitet die Norm. In ihrer Mitteilung SC-2026-005 vom Juli 2026 nennt sie fünf Schwerpunkte: den Text vereinfachen, die Qualität eingebetteter Software stärken, die Lieferkette über Tier 1 hinaus besser steuern, Produktanläufen mehr Gewicht geben und die kundenspezifischen Anforderungen ordnen. Die Veröffentlichung ist für Mitte 2027 geplant, und die Übergangsfrist endet zeitgleich mit der der ISO 9001.

Die ISO 9001 hat sich bereits geändert: Die ISO 9001:2026 wurde am 16. September 2026 veröffentlicht, und Zertifikate nach der Fassung von 2015 sollen bis zum 30. September 2029 gültig bleiben, vorbehaltlich der endgültigen Bestätigung durch die Akkreditierungsstellen. Bis die zweite Ausgabe erscheint, wird nach der IATF 16949:2016 auditiert.

Unser Rat: nicht warten. Wenn ein Kunde die Zertifizierung heute verlangt, wird die zweite Ausgabe sie nicht ersetzen, sondern überarbeiten, und was Sie jetzt aufbauen (Produktionslenkungspläne, FMEA, Prozessaudits), bleibt gültig.

Wo wir anfangen würden

Lassen Sie sich zuerst die kundenspezifischen Anforderungen Ihres Kunden schriftlich geben. Sie bestimmen einen guten Teil des Geltungsbereichs, und manche Hersteller verlangen Dinge, die in der Norm gar nicht stehen. Mehr dazu in unserem Artikel über kundenspezifische Anforderungen.

Danach eine Gap-Analyse Abschnitt für Abschnitt, ausgehend von Ihrer ISO 9001. Die Abschnitte aus der Tabelle oben sind die, die meistens leer bleiben. Und lassen Sie das interne Audit nicht bis zum Schluss liegen: Der Zertifizierungsauditor will einen vollständigen Zyklus sehen und interne Auditoren, die in den Methoden der Branche geschult sind. Die Details stehen in unserem Artikel über das interne Audit nach IATF 16949.

In GlobalSuite® können Sie die Anforderungen der IATF 16949 als eigenes Rahmenwerk neben der ISO 9001 anlegen und sehen, welcher Abschnitt umgesetzt ist, welcher in Arbeit und welcher noch nicht begonnen. Prozesslandkarte, Nichtkonformitäten mit ihren Korrekturmaßnahmen, Lieferantenbewertung und Audits liegen auf derselben Plattform. FMEA, PPAP und SPC laufen weiter in ihren Engineering-Werkzeugen; neu ist, dass das System, das sie ordnet und auditiert, an einem Ort ist. Wenn Sie das an Ihrem Fall sehen möchten, schreiben Sie uns.

Offizielle Quellen: IATF 16949:2016 auf der Website der IATF, Mitglieder der IATF, IATF-Regeln, 6. Ausgabe, Mitteilung SC-2026-005 und anerkannte Zertifizierungsstellen. Inhalt geprüft im Oktober 2026.

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